Informative Radtour im Hockenheimer Rheinbogen
Die zweite, öffentliche Quartalsveranstaltung des Jahres führte die Mitglieder des Umweltstammtisches und interessierte Mitbürger wieder einmal in den Hockenheimer Rheinbogen. Dieses Mal aber mit dem Fahrrad und unter der fachkundigen Führung von Gerhard Herm, einem ausgewiesenen Kenner und Jagdpächter in diesem Gebiet und in Begleitung seines Neffen, Markus Panthen. Auf beeindruckende Art und Weise erklärte Herr Herm die Zusammenhänge dieses ökologisch sehr sensiblen Gebietes und vor allem auch das Vorkommen der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten. Man merkte die jahrzehntelange Erfahrung durch fast tägliche Begehungen des Gebiets. Natürlich und logischerweise hat die Jagdzunft ein starkes Interesse an einer intakten Natur und damit auch Tierwelt. Insofern werden – manchmal auf eigene Kosten und Gefahren – Rückzugsgebiete für Fauna und Flora geschaffen und der Eine oder Andere setzt sich auch persönlich für Heckenstreifen, Wasserlöcher, Bauminseln usw. ein. Und spätestens hier überschneiden sich die Interessen mit denen der Natur- und Umweltorganisationen. Wie diese auch setzt man sich z.B. für die Rettung des Rebhuhnbestandes und den Schutz der Rehkitze ein, aber auch für gute Lebens-bedingungen z.B. von Amphibien und Greifvögeln, die zwar eher weniger im Visier der Jäger stehen, aber für einen gesunden Naturkreislauf wichtig sind. Dies kollidiert allerdings oft mit den Interessen der Landwirtschaft und Eigentümern der Gebiete, von denen manche besser und manche schlechter auf die Bedürfnisse von Natur und Umwelt eingehen. Das große Monokulturflächen mit intensiver Bewässerung für die Landwirtschaft vorteilhaft, für die natürliche Flora und Fauna aber ein Problem darstellen, dürfte unstrittig sein. Auf abgeernteten, großen Brachflächen fehlen erkennbar Rückzugsorte für Tiere. Ca. 50 Bewässerungspumpen im Hockenheimer Rheinbogen mit Förderungsleistungen von 50, 70 und teilweise über 100 Kubikmeter Wasser pro Stunde verdeutlichen die Problematik des hohen Wasserverbrauches – gerade bei bewässerungsintensiven Anpflanzungen – , was zu sinkenden Grundwasserpegel mit entsprechenden Folgen führen kann. Umso bemerkenswerter ist es, das doch auch einige Landwirte – teils durch gesetzlichen Druck aber teilweise auch freiwillig – für Maßnahmen zugänglich sind, die dem Natur- und Umweltschutz dienen. Aber trotz Blühstreifen oder dem Zulassen von Heckenstreifen und Baumflächen (s.o.) – der berechtigte und notwendige Anbau von Lebensmitteln sollte mit der gebotenen Rücksichtnahme auf Flora und Fauna erfolgen – gerade in einem Landschaftschutz-gebiet, in dem 30 Naturschutz-gebiete angesiedelt sind. Im Jahr 2018 gab es einen „Runden Tisch“ zum Thema Hockenheimer Rheinbogen in Hockenheim, bei dem Regierungspräsidium, Landwirte und Umweltorganisationen sich zur Vorgehensweise im Rheinbogen abstimmen wollten. Dieses Treffen sollte jährlich stattfinden, aber leider sind die guten Ansätze im Sande verlaufen. Ohne gemeinsame Gespräche und gegenseitige Rücksicht-nahme wird aber eine allgemein zufriedenstellende Nutzung ohne immer wiederkehrende, gegenseitige Anschuldigungen nicht möglich sein. Für die Teilnehmer der Tour war es jedenfalls eine hoch interessante Veranstaltung, welche die Natur-Schönheiten unserer Gegend teilweise in ein ganz neues Blickfeld gerückt hat und unterschiedliche Sichtweisen der Akteure im Hockenheimer Rheinbogen widergespiegelt hat.
Matthias Ihrig, 1. Vorstand




