„Eingriff in die Natur wäre massiv“

„Hier werden wirtschaftliche Interessen grün eingefärbt“ – Thomas Kuppinger vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hockenheimer Rheinebene steht am Waldsaum der grünen Blätterfläche, die sich von den Spragelfeldern vor Ketsch bis zur Bundesstraße 36 zieht. Ein Bild, das es bald nicht mehr geben könnte. Denn da, wo Kuppinger und viele Mitstreiter sich bei strahlendem Sonnenschein trafen, könnte bald schon ein großes Loch in der Erde klaffen. Die Krieger Gruppe aus Neckarsteinach plant hier, in einigen Jahren Kies abzubauen. Dafür müsste allerdings der Wald zwischen zwischen den Feldern südöstlich des Gewerbegebietes Süd, der B 36 sowie der L 722 beim Gewerbegebiet Talhaus größtenteils weichen (wir berichteten).

Für Kuppinger genauso wie für Matthias Ihrig, zweiter Vorsitzender des Umweltstammtischs, ist es ein Unding, dass „Wald als ökologisch nicht so wertvoll eingestuft wird. Die Umsetzung der Pläne bedeutet das Todesurteil für den Wald.“ Auf Einladung des Umweltstammtischs waren die Ketscher und Hockenheimer in den Wald gekommen, um sich ein Stück weit auch zu verabschieden, denn die Umsetzung der Pläne scheint für einige Teilnehmer der Tour unausweichlich.

„Entenpfuhl“ heißt das Gebiet und scheint damit prädestiniert, hier Kies und Sand vorzufinden. „Es geht um eine Fläche von 24,5 Hektar“, so Ihrig in einem kurzen Überblick, bevor die Gruppe sich anlässlich der Nachhaltigkeitstage auf den Weg macht, das Gebiet mit dem Fahrrad zu erkunden. „Das bedeutet, dass die gesamte Waldfläche von der B 36 entlang der L 722 und 400 Meter in Richtung Norden abgeholzt würde.“

Dass das Gebiet tatsächlich im Regionalplan Rhein-Neckar als Vorranggebiet für Rohstoffabbau vorgesehen ist, erschüttert die Beteiligten, denn der „Eingriff in die Natur wäre massiv“. Immerhin sei der Abbau für einen Zeitraum von 20 Jahren vorgesehen – eine Renaturierung würden nur die jüngeren Ketscher erleben. Wie Ihrig mitteilte, laufe das Planungsverfahren bereits. „Im Zuge dessen werden auch Umweltverbände und der Umweltstammtisch gehört“, betont er weiter. Gemeinsam mit Thomas Kuppinger und Gabirele Picke, die für den Naturschutzbund Nabu Hockenheim ebenfalls vor Ort sind, zeigte er sich sicher, dass „die artenschutzrechtlichen Begutachtung, die Ausgleichsflächen und die Grundwasserproblematik sich nicht so einfach beiseite wischen lassen.“

Baggersee als „kleineres Übel“?

Themen, die geklärt werden müssen, befinden die drei Naturschützer und die Teilnehmer der Tour einstimmig. Inwiefern das Gebiet künftig unter dem Lärm der B 36 und der an- und abfahrenden Kieslaster leiden werde, sei ebenfalls noch nicht geklärt. Entlang der schmalen Waldwege führt die Tour und eröffnet einen Einblick in die Natur, die nicht nur Hasen, Rehe, Wildschweine und andere Kleintiere beherbergt, sondern dem auch die hügelbauenden Waldameisen. Diese gehört zu den besonderen geschützten Tierarten. „Jeder Eingriff in deren Neststruktur ist strengstens untersagt“ so Matthias Ihrig. Auch ein Wiederaufforstungsbereich und eine Magerwiese haben die Waldbesucher im Visier – abseits von Sperrmüllhügeln, die Zweibeiner hinterlassen haben.

Diskussionen entspannen sich rund um die Folgen des Kiesabbaus und dessen Wirkung auf dieses Stück Natur. So betont Gabriele Picke, dass – nachdem die Ausweisung der Fläche vorliege – ein Baggersee immerhin „das kleinere Übel“ sei, denn der böte immerhin Flächen für Wasservögel. Der Klimawandel sorge bereits für einen Verlust von wertvollen Waldflächen: „Wenn der Forst da nicht beginnt umzudenken, geht der Wald auch so verloren“. Einig aber sei man sich darin, dass die Bäume im „Entenpfuhl“ für immer verlorengingen, denn wo erst einmal ein See entstanden sei, bleibe dieser auch für immer. „Wir legen Wert darauf, dass bei der Umsetzung des Vorhabens die Ausgleichsflächen auch wirklich angelegt werden“, so das gemeinsame Fazit.

-Manuela-

Naturerlebnistag: Wildkräuter im Frühling

Zum diesjährigen Naturerlebnistag hatten der Umweltstammtisch Ketsch e.V. gemeinsam mit den Naturfreunden Ketsch, lokale Agende21 Ketsch sowie dem Heimat- und Kulturkreis Ketsch zu einer Kräuterwanderung eingeladen. Bei angenehmem Wetter begrüßte Matthias Ihrig, 2. Vorsitzender des Umweltstammtisches, die Teilnehmer zur 4. Ketscher Ausgabe des Naturerlebnistages und dankte den Naturfreunden für die gemeinsame Nutzung des Geländes. An den Stellwänden waren einige Informationen über die beteiligten Vereine und Organisationen und über deren Ziele präsentiert. Auch Gernot de Mür von der lokalen Agenda dankte den Organisatoren und Helfern. Die Vernetzung der Sinne: Hören – Sehen – Riechen – Schmecken sollte ein ganzheitliches und nachhaltiges Naturerlebnis werden und bot sich für das Motto der Naturerlebniswoche  („Heimat 4.0“)  an.
Danach stellte Ingrid Blem vom Heimat- und Kulturkreis Ketsch 21 Küchenkräuter vor und vermittelte viel Wissenswertes darüber: Die Kräuter machen durch ihre pikanten Würzeigenschaften unser Essen schmackhafter uns sorgen für die besondere Note. Petersilie beispielsweise ist reich an Mineralien und Vitamin C. Für Suppen, Soßen, Gemüse, Salate, Kartoffeln und Fisch ist die möglichst frische Verwendung zweckmäßig. Schnittlauch ist durch seinen zwiebelähnlichen, würzig-scharfen Geschmack bei frischer Verwendung bekannt. Im Gegensatz zu anderen Kulturpflanzen befinden sich die meisten Küchenkräuter noch im Stadium der Wildpflanze. Daher locken sie auch besonders viele Insekten an und sind eine wichtige Bereicherung nicht nur in unserer Küche. Es war ein hochinteressanter und informativer Vortrag, der viel Aufmerksamkeit und Lob seitens der Zuhörer mit sich brachte.
Nach den wertvollen Informationen über die Küchenkräuter leitete Bernd Kraus zu den Wildkräutern über. „Wichtig dabei: Was man kennt, das schätzt man. Deshalb soll der Rundgang vor allem dem Erkennen der Pflanzenarten dienen. Ein Leben nicht neben oder gar gegen die Natur, sondern das Leben mit der Natur soll unser Ziel sein.“ Die in Privatgärten häufig vorkommende Vogelmiere kann z.B. zu Salat verarbeitet oder diesem beigefügt werden.
Veronika und Bernd Kraus besitzen einige Erfahrung auf dem Gebiet der Kräuter und Pflanzen. Das Wissen über die heilende Kraft der Kräuter beruhe häufig auf mündlichen Überlieferungen und umfasst eine breite Themenpalette.

Wissenschaftlich ist noch längst nicht alles erforscht. Um Wildkräuter selbst nutzen zu können ist daher die Teilnahme an weiteren Führungen und in anderen Revieren, wie sie z.B. auch bei Volkshochschulen angeboten werden, empfehlenswert.
Die ersten Wildkräuterinfos erhielten die Naturliebhaber am Anglersee, wo die Gruppe geteilt wurde. Auf dem Weg zur Hohwiesenbrücke erläuterte Veronika Kraus u.a., dass das giftige Schöllkraut natürlich nicht gegessen werden darf, in homöopathischen Mitteln bei Gallen- und Leberbeschwerden und gegen Warzen aber hilfreich ist. Sehr giftig ist auch die Zaunrübe, hingegen kann man das Hirtentäschel essen. Dies gilt auch für den wilden Feldsalat, fette Henne und Rapunzel. Blütenbutter lässt sich mit Löwenzahn, Gundermann, Traubnessel, Nachtkerze, Glocken- und Ringelblume zubereiten. Mit Birkenblättern kann man Salat verfeinern. Auf dem Weg zur Grillhütte merkten einige Teilnehmer an, „dass das Anfassen und Riechen von Pflanzen viel mehr bringt, als nur Fachbücher zu lesen.“  Weitere Infos folgten entlang des Weges.
So duftet der weißblütige Weißdorn nicht nur angenehm; der Mai ist auch die richtige Zeit für die Teezubereitung. Dieser Tee hat eine positive Wirkung aufs Herz und hilft bei Stress & Schlaflosigkeit. Im Herbst lassen sich die roten Beeren zu Marmelade verarbeiten; besonders schmackhaft ist das Mischen mit Birnen.
Zum Abschluss konnten die Teilnehmer beim Naturfreundehaus eine Limonade mit Wildkräutern genießen, die von Bernd Kraus mitgebracht worden war. Weiterhin luden eine Brennnesselsuppe, Kräuterbutter und auch Kräuterquark zum Probieren ein. Die Mitgliederinnen des Umweltstammtisch, Manuela Stübe und Doris Müller, hatten dies alles nach Rezepten von Veronika Kraus zubereitet, die diese in einer kleinen Broschüre zusammengefasst hatte. Ein denkwürdiger Satz in der Broschüre lautet: „Traue nicht dem Ort, wo kein Unkraut wächst!“

-Manuela-

EU-Umfrage über die zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik

Derzeit führt die EU eine Umfrage durch, bei der es um eine Bewertung der gegenwärtigen EU-Agrarpolitik und um eine ökologischere Ausrichtung bei den Zielen und Instrumenten für die Zeit nach 2020 geht. Sie könnte somit die Zukunft u.a. des Düngemitteleinsatzes (Glyposat !) bis hin zur Massentierhaltung in der EU beeinflussen.

An der Umfrage können sich aller Bürger beteiligen, allerdings weiß das fast niemand.

Während die landwirtschaftlichen Verbände, großen Agrarkonzerne und Befürworter der konventionellen Landwirtschaft schon kräftig gegen eine Änderung hin zu mehr Ökologie aufrufen und emsig für eine Teilnahme ihrer Interessensvertreter werben, bekommt die Bevölkerung davon recht wenig mit, da die Befragung nicht sehr publik gemacht wird.

Damit das Ergebnis der Befragung nicht zu einseitig ausfällt,  sollten möglichst viele Bürger daran teilnehmen.

Die Umfrage läuft noch bis zum 2. Mai 2017.

Infos und Einleitung finden sich unter:
https://ec.europa.eu/agriculture/consultations/cap-modernising/2017_de

Der Fragebogen startet unter: https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/FutureCAP?surveylanguage=DE

Die Fragen sind wohl kritisch zu lesen, weil hier gerne mal im Sinne der bisherigen Agrarpolitik formuliert wurde.
Einige Fragen können auch nur Landwirte (z.B. Nr. 5, 10) oder Fachleute (z.B. Nr. 3, 7) beantworten. Das sollte aber nicht abschrecken. In diesem Fall empfehlen wir, die Fragen offen zu lassen oder nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.

Ein Beispiel, wie der Fragebogen ausgefüllt werden könnte, findet sich hier.

-Manuela-