Kinderferienprogramm: Bienen, Hummeln und Hornissen

22 Ferienkinder hieß der 1.Vorsitzende des UmweltstammtischKetsch e.V. , Dr. Jörg-Otto Läppchen , dieses Jahr in der Ketscher Grillhütte herzlich willkommen und informierte sogleich über den Ablauf und was die kleinen Besucher an diesem Nachmittag erwartete. Bienen, Hummeln und Hornissen waren das Thema, und vor den gefürchteten und doch so nützlichen Tieren haben die meisten Menschen einen gehörigen Respekt. Nicht nur wegen deren gefürchtetem Stachel ( wobei immer nur die Weibchen stechen können), sondern auch wegen ihrem enormen Arbeitseifer. Der Nachmittag startete dann mit einem Eröffnungsspiel, bei dem die KInder in zwei Gruppen aufgeteilt wurden und in einer Art Memory auf dem Gelände verteilte Insektenfotos finden mußten. Hauptsächlich organisiert wurde der Nachmittag auch in diesem Jahr wieder von Iris Schlampp, die ihre ganze berufliche Erfahrung als Erzieherin mit einbrachte und immer alles unter Kontrolle hatte. Unterstützt wurde Sie an diesem Nachmittag von Annette und Dr. Jörg-OttoLäppchen, Matthias Ihrig, Doris Müller, Angelika Sommer, Manuela Stübe und Norbert Weiher.

Wie immer in den letzten Jahren informierte wieder Dr.Gerhard Rietschel sehr anschaulich mit einem Bildervortrag und mitgebrachten Exemplaren von Wespen- und Hornissennestern in beeindrucken-der Art und Weise, so dass die Kinder gebannt seinen Worten folgten. Er verdeutlichte auch die Harmlosigkeit dieser Insekten, solange diese nicht attackiert werden oder man das Nest entfernen möchte. Der große Nistkasten für Hornissen, gefüllt mit einem imposanten, verlassenen Hornissennest, und weitere Exponate erstaunten so manchen kleinen Besucher. Etliche Fragen aus der Runde belegten das große Interesse der Kinder an dem Thema. Dr. Rietschel konnte dabei viel aus seiner eigenen Erfahrung und Tätigkeiten beim umwelt- und tierfreundliche Umsiedeln von Insektennestern berichten, die ja geschützt sind und nicht einfach zerstört werden dürfen. Schließlich haben nicht nur die Bienen sonder auch die Hummeln, Hornissen und Wespen eine wichtige Aufgabe in der Natur, u.a. durch das vertilgen von Schädlingen. Nach einem weiteren Spiel, bei dem die in Gruppen aufgeteilten Kinder mittels Duftstoffen Ihren „Stock“ finden mußten, ging es unter der Leitung von Dr. Rietschel auf eine kleine Exkursion in den Hockenheimer Rheinbogen. Davor und danach gab es aufgrund der großen Hitze für alle, die wollten, eine kurze Abkühlung mit dem Gartenschlauch, was natürlich mit großer Freude ausgenutzt wurde. Unmittelbar nach dem Start fand man ein aktives Wespennest, bei dem sich die Tätigkeiten der Insekten aus nächster Nähe beobachten ließen. Wespenstiche waren dabei nicht zu befürchten, dafür machten aggressive Bremsen den Exkursionsteilnehmern mehr zu schaffen. Schnell suchte man die schattigen Bereiche einer Baumgruppe auf, in deren Umgebung die Kinder jede Menge Insekten mit den vom Umweltstammrisch zur Verfügung gestellten Becherlupen einfangen und beobachten konnten. Ameisen, Heuschrecken, Florfliegen, Motten, Schmetterlinge, Wanzen: Allerlei Kleintiere wurden ausgiebig betrachtet und anschließend natürlich wieder freigelassen. Die Zeit verging wie im Flug und bei der Rückkehr warteten als kleine Stärkung Butterbrezel auf die Kinder, bei denen sie kräftig zugelangten. Bio-Apfelsaft und Mineralwasser gab es glücklicherweise auch ausreichend den ganzen Nachmittag über. Nun war basteln angesagt, und die Kinder konnten zwischen Samenkugeln für Wildblumen und einer „fliegenden, brummenden Insektenscheibe“ wählen. Bzgl. der Nutzung der Samenkugeln gab es entsprechende Hinweise und Notizzettel, damit die Wildblumen auch nur dort erfolgreich aufgehen, wo sie sollen. Zum Abschluß folgte noch ein Spiel, bei dem Wasser eine große Rolle spielte. Aufgeteilt in vier Gruppen mußte aus unterschiedlichen Wasserbehältern auf dem Gelände mit löchrigen Bechern (die den Energieverlust beim „Honigsammeln“ symbolisierten) der „Nektar“ zum „Stock“ gebracht werden, wo ihn eine „Arbeiterin“ in Empfang nahm. Auch hier waren die Kinder mit ganzem Eifer dabei.

Für die Kinder jedenfalls war ein gelungener Nachmittag vorüber, als sie sich mit ihren Becherlupen und gebastelten Kostbarkeiten dankbar von den Helfern verabschiedeten.

Matthias Ihrig 2.Vorsitzender Umweltstammtisch Ketsch e.V.

-Manuela_

Jahresausflug zum Naturschutzgebiet „Kühkopf“

Nur wenige von uns kannten bislang das Naturschutzgebiet Kühkopf am Altrhein von Stockstadt – diesen Hotspot der Artenvielfalt und noch dazu gar nicht weit von uns entfernt südwestlich von Darmstadt.

Dorthin führte dieses Mal unser Jahresausflug. Nach dem Treffpunkt am Marktplatz ging es in privaten Autos (Fahrgemeinschaften) gemütlich in 45 Minuten nach Stockstadt am Rhein und dann direkt zum Parkplatz an der Brücke zum Altrhein – fast wie bei uns zu Hause zur Rheininsel Ketsch.

Dort erwartete uns eine eher offene Landschaft von großer biologischer Vielfalt: typische Weichholzauen mit Weiden und Pappeln an den Flussufern, denen man ansah, dass sie immer wieder überflutet wurden.

Neben Silberweiden mit ihren langen knorrigen Stämmen faszinierten uns alle die ausgedehnten Feuchtgebiete mit den zahlreichen Kopfweiden und ihren gewaltige Stämmen, die Lebensraum für zahlreiche Tierarten bieten.

Ganz anders dagegen die Hartholzaue mit ihren Stieleichen, Ulmen und Eschen mit allerlei eingestreuten Büschen. Hier befindet sich – ähnlich wie auf unserer Rheininsel – der Lebensraum gefährdeter und deshalb streng geschützter Käferpopulationen wie Hirschkäfer, Eremit und verschiedene Arten von Bockkäfern, daneben aber auch Kammmolche und weitere Amphibienarten.

Für uns Besucher leichter zu beobachten waren natürlich die zahlreichen Vogelarten, vom kleinen Blaukehlchen bis hin zum majestätischen Milan.

Ein entscheidendes Ereignis im Frühjahr 1983 veränderte die Landschaft grundlegend: das Hochwasser durchbrach damals die Rheindämme und überflutete das gesamte Kühkopfgebiet. Dadurch wurden mindestens 400 ha Ackerland und etwa 300 ha Wald vom Rhein überflutet. Die Dämme wurden danach nicht wieder instand gesetzt – was sicherlich nur schwer gegen viele Widerstände durchzusetzen war – und das ganze Gebiet wird seither dem natürlichen Überflutungszyklus des Rheines wie in alten Zeiten ausgesetzt. So entstand eine natürliche und unbeeinflusste Wiederbewaldung – vor allem von schnell wachsenden Weiden und Pappeln der Weichholzaue. Diesen Vorgang bezeichnet man in der Ökologie und Botanik als Sukzession (lat. succedere, „nachrücken“, „nachfolgen“).

Für das Naturschutzgebiet Kühkopf war diese Entwicklung ein echter Glücksfall. Vor allem natürlich für die Fauna und Flora, aber auch für die zahlreichen Besucher und Ausflügler, die in diesem 2400 ha großen Gebiet jede Menge gutausgebauter Spazierwege vorfinden und eine abwechslungsreiche und interessante Natur genießen dürfen. Die Rheinuferlandschaft „Kühkopf-Knoblauchsaue ist Hessens größtes Naturschutzgebiet.

Gut gelaunt und in bester Stimmung wanderten wir u.a. auf einem Teil des 6,7 km langen Natura Trails, der von den Naturfreunden Hessen angelegt wurde und 16 umfassende und sehr informative Lehrtafeln bietet. Abschließend besuchten wir das Umweltbildungszentrum Kühkopf und das Hofgut Guntershausen, wo eine Erfrischung angesagt war und einige von uns selbst angebaute Bioprodukte kauften; also direkt vom Erzeuger.

Es versteht sich für den Umweltstammtisch Ketsch von selbst, dass so eine eindrucksvolle Exkursion in gemütlicher Runde bei guten Speisen und Getränken seinen Abschluss finden musste. In einem nahe gelegenen, griechischen Restaurant wurden wir bestens bewirtet und konnten in vielen interessanten Gesprächen nochmals die Eindrücke an diesem schönen Tag Revue passieren lassen bevor es wieder nach Hause ging.

Text: Dr. Jörg-Otto Läppchen

-Manuela-

Wiesenmahd auf der Ketscher Rheininsel, Wildtierschutz

 

Umweltschutz ist eine komplizierte Sache. Noch schwieriger wird es, wenn Nutzung und Schutz auf der gleichen Fläche realisiert werden müssen. Dies ist zum Beispiel auf Wiesen der Fall. Wiesen im Wald bleiben Wiesen, wenn sie regelmäßig gemäht oder beweidet werden. Wird dies nicht getan, holt sich der Wald die Fläche zurück. Auf der Ketscher Rheininsel wird seit Jahrhunderten Landwirtschaft betrieben und die Wiesen werden gemäht. Der Forst hat mit hiesigen Landwirten Pachtverträge abgeschlossen und überwacht deren Einhaltung. Den Zeitpunkt und die Häufigkeit der Mahd für die jeweilige Wiese legt dabei die Naturschutzbehörde fest mit dem Ziel, möglichst artenreiche Auenwiesen zu erhalten und zu pflegen. In diesem Jahr sind die Wiesen nach dem 15. Juni gemäht worden. Oftmals beeinflusst der Rhein mit seinen Hochwassern den Mähzeitpunkt. Gemäht wird dann von hiesigen Landwirten, die das Gras zum Beispiel Pferden füttern. Damit entsteht ein Kreislauf, von dem alle profitieren. Viele Faktoren bestimmen wie und wann gemäht wird, und nur wenn alles beachtet wird, kann man einerseits dem Artenschutz gerecht werden, und der Landwirt erhält andererseits Gras in ausreichender Qualität. Letztendlich ist der Landwirt dafür verantwortlich, dass es bei der Wiesenmahd zu keinen Wildtierschädigungen kommt. D.h., er muß besondere Rücksicht auf Bodenbrüter, junge Hasen und Rehkitze nehmen. Die Landwirte kommen dem nach, indem sie sich vor der Mahd mit den Jagdpächtern absprechen, Vergrämungsmaßnahmen ergreifen oder beim Mähen empfohlene Vorgaben einhalten (z.B. von innen nach außen mähen). Trotzdem kommt es im Allgemeinen (für die Rheininsel ist in letzter Zeit kein Fall belegt) immer wieder vor, dass Rehkitze in die Mähwerke geraten, mit entsprechend schlechtem Ausgang für das Kitz. Anfang Mai bis Mitte Juni kommen die Rehkitze zur Welt. Die jungen Kitze werden dabei auf der Wiese oder im Wald abgelegt, und nur zum Säugen von der Mutter besucht. Gerade in der ersten Lebenswoche fehlt den Jungtieren jedoch jeglicher Fluchtinstinkt. Dies dient dem Schutz vor natürlichen Feinden. Danach folgen sie der Mutter. Der Umweltstammtisch Ketsch hat daher dieses Jahr zum ersten Mal (mit der entsprechenden Genehmigung) zu Fuß und mit Hunden die Rheininsel-Wiesen unmittelbar vor dem Mähen abgesucht. Dabei kam es auf die Koordination von Wetter, Landwirt, Forst und Umweltstammtisch an, die reibungslos klappte. Auch mit großem Suchaufwand ist es allerdings fast unmöglich, die Wiesen hundertprozentig abzusuchen. Es wurden zwar zwei Rehkitze gefunden, diese waren jedoch alt genug, und konnten selbst fliehen. Aufgrund der diesjährigen Witterung war die Wahrscheinlichkeit, frisch abgelegte Kitze zu finden, auch recht gering. Trotzdem, so der zweite Vorsitzende des Umweltstammtisch, Matthias Ihrig, war die Aktion wichtig, um zu klären, ob sich schutzlose Kitze auf den Wiesen befinden. Die Themengruppe des Umweltstammtisches wird hier „am Ball bleiben“. Wie in Zukunft genau (effektiver) verfahren wird, muss noch diskutiert werden. Aber die Situation auf der Rheininsel scheint soweit gut geregelt.

-Manuela-

Hier prallen Interessen aufeinander

Rheininsel: Mitarbeiter des Forsts Baden-Württemberg und Mitglieder des  Umwelstammtischs beantworten Fragen der Bürger / Naturschutz schränkt Nutzung ein

Der strahlend blaue Himmel konnte nicht über die frostigen Temperaturen hinwegtäuschen. Über die Köpfe der rund 60 Bürger, die sich auf den Weg über die Ketscher Rheininsel machten, fegte an diesem Morgen überdies ein kalter Wind. Dennoch waren sie gut gelaunt und erwartungsfroh, denn schließlich sollte es um „ihre“ Insel gehen.

Matthias Ihrig vom Umweltstammtisch Ketsch, der eigens vor zwei Jahren eine Themengruppe „Ketscher Rheininsel“ ins Leben gerufen hat, begrüßte die vielen Interessenten an den Geschicken des Naturschutzgebietes, bevor Dr. Dieter Münch und Norbert Krotz die Führung übernahmen. Der Leiter des Kreisforstamtes sowie der zuständige Revierförster erinnerten bereits wenige Meter nach dem Gehege der Wildschweine an den „Spagat“, welchen die Forstwirtschaft zwischen Wirtschaftlichkeit, Freizeitverhalten, Naturschutz und öffentlichem Interesse insbesondere in einem Gebiet wie der Rheininsel zu bewältigen habe. Immerhin verbinden sich hier ein Naturschutzgebiet mit einem Vogelschutzgebiet, sowie einem Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet). Damit gibt es viele Einschränkungen der Nutzung – für Forst und die Besucher. So war gewiss, dass die beiden Vertreter der Forst BW sich auch kritischen Fragen stellen mussten.

Zunächst erläuterten sie die Notwendigkeit, Wege breit genug anzulegen, Rückegassen zu schaffen und Lichtraumprofile zu schneiden. Der mit Steinen versehene Weg sei ein wichtiges Detail im Klimagefüge, so Dr. Münch, denn durch seine Wärmespeicherfunktion könnten hier auch Tiere und Pflanzen existieren, die im Inneren des Waldes, im Schatten, keinen Lebensraum finden könnten. Als Beispiel führte er das Hohe Veilchen an, welches hier in einer Population von rund 30 Pflanzen entlang des Wegrandes vorkommt. Um diese zu fördern, werden Robinien und Haselnussbüsche in den nächsten Tagen weiter zurückgeschnitten. Für die Teilnehmer eine drastische Maßnahme.

„Wir wollen den Wald nicht erschließen, sondern das Waldinnenklima verbessern,“ so Dr. Münch auf die Nachfrage, warum dies früher anders gehandhabt wurde. Der Kreisforstamtsleiter verwies auf die Expertise von Biologen des Regierungspräsidiums, die hier bescheinigten, dass es wichtig sei, die Sträucher möglichst massiv zurückzudrängen. „Wir haben aber auch Wege, die unbearbeitet bleiben“, so Norbert Krotz, der erneut betonte, dass die Wertigkeit des Waldes an seiner Vielfalt gemessen wird. „Würden wir hier nichts machen, wäre die Viola in ein paar Jahren weg.“

Einschlag dient der Förderung

Für viele der Teilnehmer der Tour war es dennoch nicht nachvollziehbar, dass erst kurz vor Beginn der Brutzeit, geschnitten werde. In Privatgärten sei dies ab dem 01. März verboten. Förster Krotz betonte, dass das Wetter günstig sei, „aber wenn ich Bedenken hätte, dass hier beispielsweise schon Schnepfen brüten, dann hätten wir das nicht so terminiert.“ Viele Fragen gab es auch beim Waldeinschlag. Dr. Münch wehrte diese mit dem Gedanken der Wirtschaftlichkeit ab. „Es hilft nichts, die Nutzung eines Naturgutes von vornherein abzulehnen – dafür gibt es Konzepte, wie Nationalparks oder Bannwälder.“ Man arbeite naturverträglich und hachhaltig, doch jeder wolle Möbel, Toitettenpapier, Heizmaterial oder einen neuen Dachstuhl. Der Erlös ginge an das Finanzministerium. Man sei jedoch frei in der Umsetzung, in Ketsch bedeute dies, in zehn Jahren17000 Festmeter Holz einzuschlagen. „Wir werden aber bei 87 Prozent landen“, so Dr. Münch. Der Einschlag sei aber auch wichtig, um Wildobstsorten und Eschen zu fördern. Gerade letztere hätten wieder an Bedeutung gewonnen, weil sie als Habitate für andere Arten gelten. 8000 Eichen habe man gepflanzt, damit auch künftige Generationen 200- oder 300-jährige Exemplare bestaunen können.

Ein weiteres Beispiel der nachhaltigen Arbeit stellten die Forst-BW-Vertreter auch anhand der wilden Orchideen und Reben vor. Es gelte, diese auch künftig zu schützen und in ihren natürlichen Bereichen zu stärken.

SZ vom 28.02.2018 (Mitarbeiterin Anke Koob)

-Manuela-